Märkische Allgemeine Zeitung vom 08.04.2009
In Brieselang werden Rohre gespült – Kohlendioxid-Methode erstmals großflächig im Einsatz
TRINKWASSER: Betäubte Asseln lassen los
BRIESELANG - Das Wasser flitzt durch die Rohre und wird in einen großen Kessel gespült. Das ist der Filter – feste Reste bleiben dort hängen. Auch die ein oder andere Wasserassel ist zu erkennen. So soll es sein, denn schließlich steht die beeindruckende Apparatur nicht zum Spaß in Brieselang herum. Dort finden seit Montag Rohrnetzspülungen mit kohlendioxidangereichertem Wasser statt. Dabei geht es den Asseln an die Scheren.
Untersuchungen hatten ergeben, dass ziemlich viele dieser Krebstiere in den Brieselanger Leitungen leben und das schon über Jahre. Sie sind zwar für den Verbraucher ungefährlich, wie Fachleute betonten. Unästhetisch sind sie aber schon. Die Verbandsversammlung des Wasser- und Abwasserverbandes Havelland (WAH) hatte daher jüngst beschlossen, spezielle Rohrspülungen in Brieselang durchzuführen, um möglichst viele Asseln schnell loszuwerden. Dabei kommt Wasser, das mit Kohlendioxid versetzt ist, auf zwei Dritteln des 60 Kilometer langen Netzes zum Einsatz. Das geschieht abschnittsweise und kostet rund 100 000 Euro, informierte WAH-Verbandsvorsteher Thomas Seelbinder.
Vom Kohlendioxid (CO2) werden die Asseln betäubt, dann lassen sie die Leitungen los und können mit anderen Kleinteilchen aus den Rohren in den Filter gespült werden. Dort werden die Reste rausgefischt, ins Labor geschickt und untersucht.
Aber das ist dann nicht mehr Sache der Firma Scheideler, die die Kohlendioxid-Spülungen in Brieselang erstmals im großen Stil anwendet. Das Verfahren ist noch neu, es wurde gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin entwickelt. Sogar Fördergelder gab es dafür, erzählt Michael Scheideler, Chef der Verfahrenstechnik GmbH, die seinen Namen trägt und aus Nordrhein-Westfalen stammt. Das patentierte CO2-Verfahren sei primär für die Asselbekämpfung gedacht, so Scheideler. „Das Besondere daran ist, dass es nicht mit extremen Turbulenzen arbeitet wie zum Beispiel die Luft-Wasser-Methode“, erklärt er.
Im Schnitt rinnen während der Spülung 30 000 Kubikmeter pro Stunde durch die Leitung. Auf dem betroffenen Abschnitt werden in dieser Zeit die Schieber in den Rohren dichtgemacht. Das heißt, zwei bis vier Stunden lang haben die Brieselanger Haushalte in den jeweiligen Straßen kein Wasser. „Aber darüber werden die Anlieger von uns vorher informiert“, sagt Uwe Kollrodt von der Firma Sachsenwasser, die für den WAH die technischen Anlagen betreibt.
Am Montag, dem ersten Tag, kam man allerdings mit dem Zeitplan etwas durcheinander, gibt Kollrodt zu. So wurden die Arbeiten im Gebiet rund um die Pappelallee nicht wie geplant um 18 Uhr, sondern erst um 23 Uhr beendet. Dadurch verschob sich natürlich auch die Wassersperrung für die Haushalte, was mancher Brieselanger ärgerlich fand.
Gestern sah es schon besser aus. „Wir werden pünktlich fertig“, sagte Uwe Kollrodt bereits am Vormittag, als die Fachleute auf einem mehrere hundert Meter langen Abschnitt an der Lilienthalstraße spülten. Dort waren keine Anwohner von Wassersperrungen betroffen. Später kamen die Straßen im Umfeld dran. 1,6 Kilometer sollten am Dienstag insgesamt geschafft werden.
Nur ab und an schauten interessierte Brieselanger vorbei. Peter Bräunlich etwa, der seine Hunde ausführte, passierte gerade in dem Moment die Lilienthalstraße, als dort die Rückstände aus dem Filter genommen wurden. Auch Wasserasseln waren dabei. „Aber nicht so viele wie am Vortag an der Pappelallee“, schätzte Ralf Jurkelwitz von der Firma Scheideler ein. (Von Anke Fiebranz)
Zustand des Trinkwassernetzes
Das Brieselanger Trinkwassernetz ist etwa 60 Kilometer lang. Auf etwa zwei Dritteln soll die Kohlendioxid-Spülung durchgeführt werden. Das ist als Sofortmaßnahme gedacht, um den Bestand an Wasserasseln zu verringern. Langfristig muss den Tieren die Nahrungsgrundlage entzogen werden.
Im Februar dieses Jahres waren im Brieselanger Trinkwasser vermehrt Asseln und deren Ausscheidungsprodukte im Brieselanger Netz gefunden worden. Wahrscheinlich sind die Tiere über eine wenig genutzte und inzwischen stillgelegte Zuleitung aus Falkensee nach Brieselang gelangt. af

CO2-Anlage