Märkische Allgemeine Zeitung vom 11.08.2009

Königs-Wusterhausener Labor löste Brieselanger Assel-Problem

Da war der Wurm drin

BRIESELANG/KÖNIGS WUSTERHAUSEN - „Unsere Verwaltung ist fast zum internationalen Pressezentrum geworden. Die Süddeutsche Zeitung war ebenso hier wie der Sender BBC“, scherzte der Bürgermeister der Gemeinde Brieselang, Wilhelm Garn. Er kann wieder lachen. Vorbei sind die Monate, in denen die 11000-Einwohner-Gemeinde im Havelland nicht mehr aus den Schlagzeilen kam.

Den Grund für das übergroße Medieninteresse lieferten bis zu zwei Zentimeter große Asseln, Faden- und Ringelwürmer im Trinkwasser. Einige Einwohner fanden die Kleintiere Anfang des Jahres in den Filtern ihrer Hauswasseranlagen. Gemeinde, Wasserverband und Gesundheitsbehörden waren aufgeschreckt. Sie reagierten mit „Abkochgebot“ und Spülung der Wasserleitungen mit Chlor. Nichts half. „Niemand konnte sich erklären, warum gerade bei uns solche Massen von Asseln vorhanden waren. Wir hatten ja alle Regeln eingehalten und waren sicher, dass unser Wasser einwandfrei war“, gestand der Wasserverbandsvorsteher Thomas Seelbinder.

Seit Freitag gehört das Problem der Vergangenheit an. Hilfe kam aus Königs Wusterhausen, wo Biologin Ute Michels in der Scheederstraße ein Wasseranalysebüro betreibt. Sie sah im März zufällig eine Reportage des ORB-Abendjournals. „Das war genau mein Thema“, sagte Michels, die sich seit sieben Jahren mit Wasserasseln beschäftigt. Sie entwickelte bereits einige Verfahren.

Die gute Nachricht: gesundheitsgefährdend sind die Tiere nicht. Mikroorganismen leben immer im Wasser und halten es im Gleichgewicht“. Michels Unternehmen „Aqualytis wurde zum Partner des Havelländer Wasserverbandes und der Gemeinde Brieselang, die ein eigenes Wasserwerk betreibt. Verbandsvorsteher Seelbinder sprach von einem „Glücksfall“. Michels untersuchte sofort, ob die Tierchen von außen ins Rohrsystem gelangten, nahm 40 Proben. Ihr Ergebnis: Die Lebensbedingungen für Asseln sind aufgrund der Wasserzusammensetzung ideal. „Wenn die Tiere sich im Wassersystem nicht wohlfühlen, verschwinden sie auch wieder. Hier gab es aber einen reich gedeckten Tisch“, so Michels.

Bevor Veränderungen im Wasserwerk vorgenommen werden konnten, musste das Heer der Asseln entfernt werden. Partner wurde Verfahrensingenieur Michael Scheideler. „In Kooperation mit der TU Berlin hatten wir gerade ein neues Verfahren entwickelt. Dazu leiten wir Kohlendioxid in die Rohre und spülen die betäubten Asseln heraus. Blieben tote Asseln im Trinkwasser, stiege die Belastung weiter an“, erklärte er. Sein Prototyp zur Rohrspülung bestimmte seit Wochen das Bild der Brieselanger Straßen. An 72 Tagen wurden 58 000 Tiere aus 104 Kilometern Wasserleitung entfernt. Nach dem letzten Spülgang gab es eine kleine Feier. Die Untersuchungen gehen aber weiter. (Von Uta Schmidt)


CO2-Anlage

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