gwf-Wasser | Abwasser - Februar 2010
Neue Behandlungstechnologie für Trinkwasserverteilungssysteme bei Besiedlung mit Invertebraten, insbesondere Wasserasseln
Dipl. Ing. Michael Scheideler, FA. Scheideler Verfahrenstechnik & Dr. Günter Gunkel, Technische Universität Berlin
Ein wirksames Verfahren zur Behandlung von Trinkwasserverteilungsanlagen bei Besiedlung mit Wasserasseln war Ziel eines mehrjährigen Forschungs-vorhabens der Technischen Universität Berlin und der Firma Scheideler Verfahrenstechnik, das mit Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums (ProInno Programm) durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen wurde. Ergebnis ist das CO2-Spülverfahren, eine Technologie, bei der CO2-haltiges Wasser über einen Hydranten in das Rohrnetz eingespeist wird, die Wasserasseln durch das CO2 narkotisiert werden und diese über einen zweiten Hydranten ausgespült werden. Von Wasserasseln besiedelte Trinkwasserverteilungssysteme können so sukzessive analog der bisher praktizierten Rohrnetzspülung behandelt werden. Ein Niederdruck-Hochdurchsatz-Filter an der Austrittsstelle dient zur Kontrolle und zum Nachweis der Wirksamkeit der Spülung. In mehreren Städten konnte das Verfahren unter Praxisbedingungen erfolgreich angewendet werden. Zur Abschätzung des noch im Leitungsnetz verbliebenen Bestandes an Wasserasseln wurden Kontrollspülungen durchgeführt, für die Kontrollstrecken ergaben sich Restbestände der Wasserasseln von 5 % bis 12 %.

CO2-Generator zu Behandlung von Rohrnetzen
Die bisherigen Ergebnisse der CO2-Spülungen haben zur Korrektur einiger häufig geäußerter Annahmen der Wasserversorger geführt:
- Wasserasseln befallen nicht nur ältere Asbestzementleitungen, sondern auch Stahl- und in PE-Leitungen. In Haupt- und Transportleitungen war die Besiedlungsdichte an Wasserasseln durchschnittlich höher als im Falle von Versorgungsleitungen insbesondere Endsträngen und Stichleitungen.
- Wasserasseln können weitgehend unbemerkt vom Rohrnetzbetreiber hohe Dichten in einem Trinkwasserverteilungssystem erreichen, Dichten von einigen Tausend bis > 10.000 Tieren pro km Rohrleitung wurden wiederholt nachgewiesen.
- Bei Spülungen von mit Wasserasseln besiedelten Rohrnetzen werden ausgetragene rötliche Partikel häufig als “Rost“ interpretiert, diese bestehen allerdings zu einem erheblichen Anteil aus Asselkot; Asselkot ist im Trinkwasserverteilungssystem über Wochen stabil und führt somit zu erheblichen Ablagerungen im Rohrnetz.
- Die Bewertung von Wasserasseln im Trinkwasser als unbedenklich, aber unästhetisch muss unter zwei Aspekten neu diskutiert werden: 1) Im Rohrnetz akkumulierter Asselkot führt zweifellos zu einem erheblichen Mehrverbrauch von Oxidationsmitteln und entsprechend zu einer Erhöhung der Oxidationsnebenprodukte. 2) Tote Wasserasseln, die vor Hausfilter gespült werden, führen dort unter Stagnationsbedingungen zu einer deutlichen Verkeimung.
Die Bewertung von Invertebraten, insbesondere von Wasserasseln in Trinkwasserverteilungssystemen ist Gegenstand eines beantragten Folge-Forschungsvorhabens.
Kontakt und Informationen:
Dipl. Ing. Michael Scheideler
Scheideler Verfahrenstechnik GmbH
45721 Haltern am See
Tel. (02364) 10545-0
E-Mail: info@scheideler.com
Priv. Doz. Dr. Günter Gunkel
Wasserreinhaltung, Institut für Technischen Umweltschutz,
Technische Universität Berlin
Tel. (030) 314-25847
E-Mail: guenter.gunkel@tu-berlin.de
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